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Auszüge aus Tage- und Nächtebuch von Frithjof Schuon
Bajadere
Goldroter Mittag brütet schwül und breit Auf schwangrer Erde, glühend voll Verlangen, Und Gangas tausend schwere Wasser gleißen Im Taumel todestiefer Seligkeit. Es klirren Devadassis Silberspangen Im brünstgen Tanz und lächeln und verheißen; So lacht ihr Leib, der wie ein Reh sich scheut; Und ihre Glieder winden sich wie Schlangen. Und Götter küssen diese dunklen Wangen Und diesen Leib, der tanzend sich befreit; Sie lacht mit ihrem Mund, dem perlenweißen, Dieweil das Opfertier im Bluten schreit Und rote Blumenketten duftend prangen. Sie badet ihre Brüste, ihre heißen, In Gangas taumelnder Unendlichkeit. Gopi Dein Gang, — Stolzes junges Schreiten, Da Frühlingslieder von Deinen Gliedern gleiten; Frühlingsgedanken gehn Deinen Leib entlang, Wenn im Gehn Deine jungen Brüste beben; Oh Deines Leibes lebendig Gedicht Wiegt sich auf schöngerundeten Hüften; Und von Deinem süßen Leben Glüht Dein träumendes Angesicht. Vita nuova Hilf, HErr, daß meine Rosen nicht mehr sterben Am Bild der Freundin; schau auf meine Pein, Auf diese ausgestreckten armen Hände, Wie sie DIch fragen, ob ich Gnade fände, Wie sie im Flehen welkend sich verfärben, Daß DU mich hörst, und mögest mir verzeihn. DU, HErr, weißt meine Wunde, weißt die Kerben In meinem Herzen, weißt den bittern Wein Der vor DIr fließt, und weißt: Ich möchte sterben, So DU es willst, um nimmermehr zu sein. Denn ich bin nichts. Ich lieg in Staub und Scherben Vor DIr und kann nur weinen, kann nur schrein. Und dennoch fühl ich: Ich bin nicht allein; Wund ist mein Herz, doch kann es nicht verderben Und fühlet DEine gnadenreichen HÄnde; O daiß die kranke Seel es stets verstände! Die Fahrt Eintönig rauscht und mahnt und klagt die Flut, Die nächtige; sie seufzt und ringt die Hände Und schwillt und sinkt zurück und stöhnt und ruht; In ihr verklingt das dämmernde Gelände. Darüber Sterne. Silbern schäumt am Bug Das aufgerissene Meer, gebrochne Macht. Eisernen Schritts zertritt das Schiff den Trug Spielender Perlen, die es schwer zerschlug, Und schiebt sich keuchend in die hohle Nacht. Die Schraube kläfft. Ich höre ihren Klang, Ich schlief in ihm und bin in ihm erwacht, Da er mir harte Schlummerlieder sang. Wir fahren südwärts. Und es klagt die Flut Und tanzt und faßt nach uns mit kalten Händen Und wächst und steigt und bricht an Eisenwänden Und rinnt zurück, der Erde dunkles Blut. Darüber Sterne. Und die Schraube schreit Und kläfft wie ein geschlagner Hund. Wir ziehen Dem Süden zu. Kein Land mehr weit und breit; Alles ist dunkel. Nur die Sterne glühen. *** Und wir fahren Und ich weiß nicht, wann unsere Fahrt begann. Wir fahren schon lang, Wir fahren vielleicht schon seit Jahren Den Rand des Himmels entlang. Wir fahren bei Tag und bei Nacht, Durch goldenen Morgen; Wir fahren in den strahlenden Tag hinein Und in gähnende Finsternis, Wenn alles schweigt. Nur das Meer rauscht in dunkeln Stunden Sein Todeslied Und blutet aus tausend Wunden. Wie eine Rose die Sonne erglüht Über silbernem Schaum. Weiße Möwen fliegen Hinter uns her im rötlichen Raum, Da alles ins Land des Sommers zieht. Wir fahren in den strahlenden Tag, Wir fahren gen Süden, Auswanderer und Leute vom Söldnerheer, Araber und Heimatlose, die nie ermüden, Alle fahren sie in den Tag. Fahren sie übers Meer. Und wir fahren, Und ich weiß nicht, wann unsere Fahrt begann. Wir fahren bei Gesang Und in dunkeln Stunden, wenn niemand spricht. Wir fahren vielleicht schon seit Jahren Auf schwarzen Wassern, Auf der Welle, die ewig zerbricht. Und wie wir endlich Der Küste nahen beim frühsten Morgenstrahl, Wend ich mich um ein letztes Mal, Schau zurück und höre nichts mehr; Hätte gewollt, daß kein Ende nähme Die Fahrt; daß unser Schiff Träumend zerklinge an einem smaragdenen Riff, Einschlummre im murmelnden Meer. Mostaghanem Sterntrunkene Nacht über steinigem Feld, Weiße Kuppeln und schluchzendes Meer. Der Mahnschrei des Muezzin klagt in die Welt Von einsamer Zinne her. Und der kühle, weithin irrende Wind, — Wie er in wiegenden Palmen sinnt; Und einsamer Flöte Wüstenlied, — Wie es steigt und rinnt. Sterntrunkene Nacht über bleichem Gestein, Arabische Stadt, du weißes Grab. In deinen Zauber steig ich hinab Und in dein Wunder hinein. Weiße Kuppeln und ewig weinendes Meer Und Steine auf goldenem Sand. Des Muezzin Stimme fällt einsam und schwer Wie Wolfsgeheul über nächtiges Land. Von weißer Zinne sein klagender Schrei Irrt durch den endlosen Raum. Häuser wie Gräber stehen dabei Und ein wiegender, sinnender Baum. Scheich Achmed Weiße Stufen, und dann Dämmerhelle; Leises Schreiten; und wir atmen kaum. Stille; denn Er schläft. Und eine Welle Duft der Dschenna schauert durch den Raum. Oh Er schläft nicht. Seine Lider decken Letzter Wachheit unbewegtes Licht. Unsre Schritte können Ihn nicht wecken; Er ist Allah. Und Er hört uns nicht. Doch Sein herbes Fleisch liegt noch im Traum. Seine Hände sind wie Blätter, bleiche Herbstesblätter, nicht von diesem Reiche, Blätter von des Paradieses Baum; Oder Sterne, die herniedersanken Auf den greisen Leib, den kranken, Und auf seines Kleides weißen Saum. Leila Leila, nicht kennt der Tag Dich, nur das Dunkel Der Nächte weiß von meinen tiefen Lüsten, Vom heißen Wein aus Deinen heilgen Brüsten, Von meinen Augen, die im Finstern sahn Des Leibes Glanz, des Haares Sterngefunkel. Nicht kennt das Leben Dich, der Dämmer nur Des Todes kennt Dich, der nie Toren nahn, Weil sie an Deiner Liebe sterben müßten; Ja nur der Tod weiß von des Weins Karfunkel Auf Lippen, die im letzten Rausch Dich küßten. |